Tod aus der Biogasanlage - Chronischer Botulismus bei heimischen Wildarten
Singhofen, im Mai 2011 Seit Jahren gibt es einen schrecklichen Verdacht. Die Reste aus Biogasanalgen, die „sauberen“ Ökostrom liefern, verursachen bei Wildtieren, Haustieren und Menschen eine tödliche Krankheit – der chronische Botulismus. Wild und Hund fragt nicht nur nach der Krankheit, sondern nach den Hintergründen, warum ein derartiges Risiko seit 10 Jahren nicht öffentlich diskutiert werden soll. Nach Fukushima will die Gesellschaft die Energiewende. Große Hoffnungen liegen auf nachwachsenden Rohstoffen. Die Fläche, auf der heute schon Mais für Biogasanlagen gepflanzt wird, liegt bei 530 000 Hektar. Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat angekündigt (Münchner Merkur vom 27. April 2011), dass sie die Anbauflächen für Pflanzen zur Energiegewinnung deutlich ausweiten will. Von 1,8 auf rund drei Millionen Hektar könnte die Fläche steigen.Biogasanlagen schießen wie Pilze aus dem Boden. Doch der angebliche umweltfreundliche Stromlieferant verbirgt möglicherweise in seinen Gärresten ein für Wildtiere tödliches Bakterium. Christoph Boll ist für das Jagdmagazin WILD UND HUND einer Krankheit nachgegangen, deren Existenz von der Maislobby geleugnet wird, und deren Auswirkungen auf das Wild katastrophal sein könnten. Der Fall ging durch die Medien: Im Vogtland (Sachsen) starben 600 Kühe und der Landwirt selbst erkrankte schwer. Diagnose: Chronischer Botulismus. Und das war kein Einzelfall, weiß Professor Dr. Helge Böhnel von der Universität Göttingen. Der Wissenschaftler gibt an, bei kranken Tieren aus landwirtschaftlichen Betrieben in vierstelliger Zahl Botulismus- Erreger festgestellt zu haben. Und er ist davon überzeugt, chronischer und viszeraler Botulismus könne alle Vögel und Säugetiere – also auch Menschen – treffen. Botulismus ist eine im Regelfall tödlich verlaufende Vergiftung. Der chronische Botulismus hingegen soll schleichend, teilweise über Jahre verlaufen. Dr. Böhnel hält Biosgasanlagen als Verursacher für „sehr wahrscheinlich“. Die Annahme: Beim Schnitt von Biomassepflanzen, vor allem Grünroggen im Frühjahr, werden Jungwild und Gelege mitgehäckselt und gelangen ins Gärsubstrat. Außerdem werden Schlachtabfälle und anderes Fleisch, etwa Althennen, und Gülle als Rohstoff eingesetzt. Bei 40 Grad Gärtemperatur feiert das Verwesungsbakterium fröhliche Urstände. Dies wiederum bildet enorm widerstandsfähige Botulinumsporen, die selbst einen Hygienisierungsprozess (Erhitzung auf 70 Grad Celsius) überstehen. Mit dem Gärschlamm als Dünger landen die Sporen wieder in der Natur. Dort werden sie mit der Äsung aufgenommen, gelangen in den Magen-Darm-Trakt von Nutz- und Wildtieren, verwandeln sich wieder in Bakterien, die dann das Gift produzieren. Häufig reiche dessen Menge nicht für ein schnelles Verenden, sondern führe zum chronischen Verlauf.
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